Landkreis Oder-Spree

Pilotkommune für Kommunale Gesamtkonzepte zur Unterstützung von Kindern aus sucht- und psychisch belasteten Familien

Als Pilotkommune hat der Landkreis Oder-Spree eine Koordinierungsstelle im Gesundheitsamt eingerichtet.

Koordinatorin vor Ort ist Ramona Krüger.

Zum Flyer der Pilotkommune LOS

Ausgangslage

Der Landkreis Oder-Spree zählt rund 180.000 Einwohnerinnen und Einwohner und verzeichnet seit mehreren Jahren eine insgesamt stabile Bevölkerungsentwicklung, die insbesondere durch Zuzüge getragen wird. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. Gleichzeitig nehmen die Zahl der Alleinerziehenden sowie soziale Belastungslagen zu.  

Im Landkreis leben mehr als 3.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Bedarfsgemeinschaften. Die Kinderarmutsquote liegt bei rund 11 Prozent, wobei sich innerhalb des Kreisgebietes deutliche regionale Unterschiede zeigen. In einigen Regionen ist mehr als jedes fünfte Kind von Armut betroffen. Zudem wurden im Jahr 2024 für 813 junge Menschen beziehungsweise Familien Hilfen zur Erziehung nach dem Kinder- und Jugendhilferecht gewährt.  

Kinder aus sucht- und psychisch belasteten Familien gehören zu den besonders vulnerablen Gruppen im Landkreis. Sie sind überdurchschnittlich häufig von Entwicklungsrisiken, psychosozialen Belastungen, Vernachlässigung sowie Unterstützungs- und Schutzbedarfen betroffen. Dies zeigt sich unter anderem in den Hilfen zur Erziehung, bei seelischen Beeinträchtigungen nach § 35a SGB VIII sowie im Kinderschutz.  

Vor diesem Hintergrund besteht die Notwendigkeit, bestehende Unterstützungsangebote stärker zu verzahnen, belastete Familien frühzeitig zu identifizieren und nachhaltige Kooperationsstrukturen zwischen Gesundheitswesen, Jugendhilfe und weiteren relevanten Akteuren aufzubauen.  
 

Ziele

Der Landkreis Oder-Spree verfolgt seit mehreren Jahren das Ziel, die Versorgung von Kindern und Jugendlichen in psychischen Krisen sowie von Kindern aus sucht- und psychisch belasteten Familien systematisch zu verbessern. Hierfür wurde bereits ein multiprofessionelles Team im Kinder- und Jugendbereich aufgebaut und ein Gruppenangebot für betroffene Kinder eingerichtet. Die bisherigen Erfahrungen zeigen jedoch, dass weitere Unterstützungsangebote sowie eine engere Vernetzung der beteiligten Akteure erforderlich sind. 

Mit der Teilnahme am Modellprojekt möchte der Landkreis die vorhandenen Strukturen gezielt weiterentwickeln und die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsamt, Jugendamt, Suchthilfe, Sozialplanung und weiteren Partnern verbindlicher gestalten. Das Modellprojekt wird dabei als Instrument zur nachhaltigen Verbesserung bestehender Prozesse verstanden und eng mit den Aufgaben der Jugendhilfeplanung, Prävention und des Kinderschutzes verknüpft.  

Mit der Teilnahme am Modellprojekt verfolgt der Landkreis insbesondere folgende Ziele: 

  • Weiterentwicklung eines kommunalen Gesamtkonzepts für Kinder aus sucht- und psychisch belasteten Familien.  
  • Schaffung nachhaltiger, institutionell abgesicherter und personenunabhängiger Kooperationsstrukturen, die auch über die Projektlaufzeit hinaus Bestand haben.  
  • Ausbau von Präventions-, Sensibilisierungs- und Öffentlichkeitsarbeitsmaßnahmen zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen und Suchterkrankungen in Familien.  
  • Qualifizierung von Fachkräften zur besseren Erkennung von Belastungslagen und zur gezielten Weitervermittlung betroffener Familien.  
  • Entwicklung zusätzlicher Unterstützungs-, Beratungs- und Gruppenangebote für betroffene Kinder und Jugendliche.  
  • Aufbau verbindlicher Kooperations- und Fallsteuerungsprozesse zwischen Gesundheitsamt, Jugendamt, Frühen Hilfen, Kinder- und Jugendpsychiatrischem Dienst sowie weiteren beteiligten Einrichtungen.  
  • Frühzeitige Identifikation belasteter Familien und Verbesserung der Schnittstellen zwischen Gesundheitswesen und Jugendhilfe.  
     

Durch die Entwicklung verbindlicher Verfahren, gemeinsamer Netzwerke und einer abgestimmten kommunalen Strategie sollen betroffene Kinder, Jugendliche und Familien künftig frühzeitiger erreicht und passgenauer unterstützt werden.  
 

Umsetzungsstand

Im Juni 2026 startete mit der Besetzung der Koordinierungsstelle die praktische Umsetzung des Projekts im Landkreis Oder-Spree.

Im Folgenden finden sich Einblicke in die Projektfortschritte in den Bereichen Steuerung und Planung, Umsetzung und Angebote, Vernetzung sowie Öffentlichkeitsarbeit und Qualifizierung.

  Steuerung und Planung
  • Die Koordinierungsstelle ist seit dem 01.06.2026 besetzt
  • Die Stelle ist im Gesundheitsamt angesiedelt.
  Umsetzung und Angebote
  • Im Juni 2026 fand ein erstes Werkstattgespräch mit Akteur*innen aus dem Handlugnsfeld zur Ermittlung der Angebotsstruktur und weiterer Bedarfe statt.
  • Die Bestandserhebung bzgl. existierender Angebote und zusätzlicher Bedarfe wird durchgeführt.
  Vernetzung
  • Eine Absichtserklärung zur ressortübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsamt und Jugendamt liegt vor.
  Öffentlichkeitsarbeit und Qualifizierung
  • Vorbereitungen laufen.