Pilotkommune für Kommunale Gesamtkonzepte zur Unterstützung von Kindern aus sucht- und psychisch belasteten Familien
Als Pilotkommune richtet der Landkreis Havelland derzeit eine Koordinierungsstelle ein.


Ausgangslage
Der Landkreis Havelland ist durch ausgeprägte regionale Unterschiede zwischen dem berlinnahen Osthavelland und dem ländlich geprägten Westhavelland gekennzeichnet. Während die östlichen Regionen von Bevölkerungswachstum, guter Infrastruktur und vergleichsweise günstigen sozialen Rahmenbedingungen profitieren, sind im westlichen Havelland stärkere soziale, gesundheitliche und demografische Belastungen erkennbar. Insgesamt leben rund 174.000 Menschen im Landkreis, wobei das Bevölkerungswachstum vor allem auf Zuzüge aus Berlin und dem Ausland zurückzuführen ist.
Die sozialen Indikatoren zeigen deutliche Unterschiede innerhalb des Kreisgebietes. Der Anteil von Familien mit niedrigem Sozialstatus liegt im Landkreis über dem Landesdurchschnitt. Besonders in den westlichen Regionen bestehen erhöhte psychosoziale Belastungen und ein überdurchschnittlicher Unterstützungsbedarf. Dies spiegelt sich unter anderem in den Hilfen zur Erziehung wider, die im Havelland häufiger in Anspruch genommen werden als im Landesdurchschnitt. Insbesondere die Stadt Rathenow weist im Vergleich zu anderen Regionen des Landkreises deutlich höhere Belastungswerte auf.
Auch gesundheitliche Daten verdeutlichen die unterschiedlichen Lebenslagen. Emotional-soziale Auffälligkeiten bei Kindern treten im westlichen Havelland häufiger auf als in den östlichen Gemeinden. Zudem liegt die Häufigkeit von Depressionen im westlichen Havelland über dem Brandenburger Durchschnitt. Besonders Kinder und Jugendliche aus Familien mit psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen der Eltern sind erhöhten Entwicklungs- und Gesundheitsrisiken ausgesetzt und benötigen frühzeitige sowie abgestimmte Unterstützungsangebote.
Vor diesem Hintergrund besteht ein Bedarf an leistungsbereichsübergreifenden und sozialraumorientierten Unterstützungs- und Versorgungsstrukturen, die sowohl den besonderen Belastungen im westlichen Havelland als auch den unterschiedlichen Bedingungen innerhalb des gesamten Landkreises gerecht werden.

Ziele
Der Landkreis Havelland sieht sich aufgrund seiner unterschiedlichen Sozial- und Gesundheitslagen als geeigneten Erprobungsraum für innovative und integrierte Unterstützungsstrukturen für Kinder aus sucht- und psychisch belasteten Familien. Ziel der Teilnahme am Modellprojekt ist es, bestehende Ansätze zu bündeln, Kooperationen weiterzuentwickeln und ein kommunales Gesamtkonzept zu etablieren, das den komplexen Herausforderungen nachhaltig begegnet.
Dabei kann der Landkreis auf langjährige Erfahrungen in der interdisziplinären Zusammenarbeit aufbauen. Bereits seit 2013 werden Gesundheitskonferenzen durchgeführt, zudem bestehen etablierte kommunale Steuerungsstrukturen sowie eine enge Zusammenarbeit von Gesundheitsamt, Jugendamt, Sozialamt und weiteren Akteuren. Mit dem Modellprojekt sollen diese Strukturen gezielt weiterentwickelt und durch zusätzliche personelle Ressourcen gestärkt werden.
Mit der Teilnahme am Modellprojekt verfolgt der Landkreis insbesondere folgende Ziele:
- Aufbau eines kommunalen Gesamtkonzepts für Kinder und Jugendliche aus sucht- und psychisch belasteten Familien.
- Verbesserung der Früherkennung von Belastungslagen und Erleichterung des Zugangs zu Unterstützungs- und Hilfsangeboten.
- Stärkung der verbindlichen Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Suchthilfe, Schulen und freien Trägern.
- Entwicklung klarer Zuständigkeiten, abgestimmter Verfahren und verbindlicher Kooperationsstrukturen.
- Ausbau niedrigschwelliger, präventiver und sozialraumorientierter Unterstützungsangebote, insbesondere in besonders belasteten Regionen.
- Sensibilisierung und Qualifizierung von Fachkräften für die Bedarfe betroffener Kinder und Familien.
- Förderung von Resilienz, Teilhabe und Entwicklungschancen betroffener Kinder und Jugendlicher.
- Entwicklung nachhaltiger und übertragbarer Modelle, die auch für andere Kommunen im Land Brandenburg nutzbar sind.
Die geplante ressortübergreifende Zusammenarbeit von Jugendamt und Gesundheitsamt soll dazu beitragen, Kinder und Jugendliche frühzeitig zu erreichen, Schutzfaktoren zu stärken, Risiken für das Kindeswohl zu reduzieren und langfristig tragfähige kommunale Unterstützungsstrukturen zu schaffen.

Umsetzungsstand
Der Landkreis Havelland hat derzeit eine Koordinierungsstelle ausgeschrieben.
Steuerung und Planung
- Die Ausschreibung zur Koordinierungsstelle ist erfolgt und soll zeitnah besetzt werden.
Umsetzung und Angebote
Vernetzung
- Eine Absichtserklärung zur ressortübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsamt und Jugendamt liegt vor.