20.04.2026 | selbstbestimmt: Pressemeldungen

Bundesweite Fachtagung in Potsdam: Kinder psychisch erkrankter Eltern im Blick

Bundesarbeitsgemeinschaft für Kinder psychisch erkrankter Eltern (BAG KipE) und die Brandenburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (BLS) setzen sich für Verbesserung der Versorgungssituation Betroffener ein.

3 bis 4 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland wachsen mit mindestens einem sucht- oder psychisch belasteten Elternteil auf. Viele von ihnen tragen eine unsichtbare Last: Sie erleben Unsicherheit, übernehmen früh Verantwortung und haben ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst eine Sucht- oder psychische Erkrankung zu entwickeln. Die BAG KipE, ein bundesweiter Zusammenschluss von Fachverbänden, Trägern und Initiativen, setzt sich seit 2006 durch kontinuierliche fachpolitische Arbeit dafür ein, den Aufbau wirksamerer Hilfe in diesem Handlungsfeld voranzutreiben. Am 24. April 2026 lädt sie in Kooperation mit der BLS Fachkräfte, u. a. aus Gesundheitswesen, Jugendhilfe, Schule, Kita und Kinderschutz, zu ihrer bundesweiten Jahrestagung nach Potsdam ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen die Möglichkeiten einer frühzeitigen Ansprache Betroffener sowie deren Einbindung in kommunale Schutz- und Versorgungsstrukturen.

Um Kinder mit sucht- oder psychisch erkrankten Eltern frühzeitig zu erreichen, ihre Resilienz zu stärken und belastende Entwicklungsverläufe zu verhindern, braucht es ein starkes Netzwerk, geschulte Fachkräfte und gemeinsame Strategien. Nur durch das Zusammenwirken der verschiedenen Arbeitsfelder können Betroffene rechtzeitig erkannt, aufgefangen und in adäquate Hilfen vermittelt werden. Die BAG Jahrestagung 2026 rückt das Thema „Kinderschutz im Blick: Die Perspektiven und Bedürfnisse der Kinder psychisch und suchterkrankter Eltern“ in den Mittelpunkt. Sie bietet Fachkräften Einblicke in verschiedene Hilfeangebote und ermöglicht den Austausch zu vielfältigen Themen wie Kinderschutz oder der Entwicklung kommunaler Gesamtkonzepte. Die bundesweite Tagung wird in diesem Jahr in Kooperation mit der BLS umgesetzt. Die Landesstelle engagiert sich seit 2021 mit dem Präventionsprojekt selbstbestimmt für die Verbesserung der Lebenssituation von Kindern aus sucht- und psychisch belasteten Familien – unter anderem durch Fachkräftequalifizierungen, Kommunikationsmaßnahmen und die Begleitung Kommunaler Gesamtkonzepte. Das Projekt wird gefördert vom GKV-Bündnis für Gesundheit in Brandenburg, der Auridis Stiftung sowie dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes Brandenburg.

Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost und stellvertretend für das GKV-Bündnis für Gesundheit in Brandenburg: „Kinder, die mit Suchterkrankungen oder psychischen Belastungen in ihren Familien aufwachsen, dürfen nicht übersehen werden. Sie brauchen frühzeitig Halt, Orientierung und verlässliche Unterstützung. Als gesetzliche Krankenversicherungen leisten wir unseren Beitrag, um Vorurteile abzubauen, Fachkräfte fortzubilden und damit zu stärken und Prävention wirksam zu gestalten. Doch diese Aufgabe kann niemand allein bewältigen: Nur wenn Jugendhilfe, Gesundheitswesen und Sozialverwaltung auf kommunaler Ebene eng zusammenarbeiten, erreichen wir diese vulnerablen Kinder wirklich.“

René Wilke, Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes Brandenburg: „Die bundesweite Jahrestagung der BAG KipE hier in Potsdam macht deutlich, wie wichtig es ist, Kinder psychisch und suchterkrankter Eltern frühzeitig in den Blick zu nehmen und ihnen verlässliche Unterstützungssysteme zu bieten. Brandenburg setzt genau hier an: Mit dem Projekt selbstbestimmt stärken wir seit Jahren die Prävention, vernetzen Fachkräfte und unterstützen Kommunen beim Aufbau tragfähiger Gesamtkonzepte. Der Austausch auf dieser Tagung ist ein wichtiger Impuls, um gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und den Kinderschutz nachhaltig weiterzuentwickeln.“

Prof. Dr. Sabine Wagenblass, BAG KipE: „Laut aktueller Studien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN, 2023) sind jährlich etwa 27,8 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen. Psychische Erkrankungen und Suchterkrankungen sind schwere Erkrankungen, sie betreffen den ganzen Menschen: körperlich, emotional, kognitiv und sozial. Dies hat unmittelbare Konsequenzen für die Familie – insbesondere für Kinder und Jugendliche, die als Mitbetroffene oft in den Hintergrund geraten. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder psychisch erkrankter Eltern (BAG KipE) setzt sich dafür ein, dass die Kinder in den Mittelpunkt rücken. Mit dieser Tagung wollen wir die Rechte von Kindern aufmerksam machen und gemeinsam diskutieren was es auf politisch auf Bundesebene, aber auch welche Angebote und Vernetzungsstrukturen es auf kommunaler Ebene braucht.“

Andrea Hardeling, Geschäftsführerin der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen e. V.  „Die besondere Situation von Kindern aus sucht- und psychisch belasteten Familien wird auf der Tagung aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert. Es braucht verbindliche, systemübergreifende Strukturen, die den betroffenen Kindern frühzeitig Stabilität bieten. Nur mit qualifizierten Fachkräften und starken Kooperationen vor Ort können wir den Bedürfnissen der Kinder gerecht werden und langfristige Schäden verhindern.“

 

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